Gesundheit und Arbeitszufriedenheit

Die Beschäftigten im privaten Bankgewerbe haben anspruchsvolle Jobs,  müssen steigende Anforderungen erfüllen und strukturelle Veränderungen in ihrer Branche meistern - und sind dabei doch überdurchschnittlich gesund und zufrieden. Zugleich gehören die Banken zu den aktivsten Unternehmen, wenn es um den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Gesundheitsschutz und freiwillige betriebliche Gesundheitsförderung geht. Das bedeutet nicht, dass sich nichts verbessern ließe, aber die Banken gehören heute beim Thema Gesundheit zu den Vorreitern in der deutschen Wirtschaft - und sind nicht zuletzt deshalb seit vielen Jahren die Branche mit dem geringsten Krankenstand.

Neun von zehn Instituten bieten inzwischen mehr oder weniger umfangreiche Gesundheitsleistungen, die über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen; diese Maßnahmen erreichen nahezu alle Beschäftigten. Das Spektrum umfasst zum einen die Verhaltensprävention (sie setzt bei den Mitarbeitern an); weit verbreitet sind hier Bewegungsangebote (von Betriebssport bis zum eigenen Fitnessraum), Beratungsangebote (etwa zu Zeitmanagement, Sucht, Stressvermeidung oder psychischen Belastungen, zusätzlich Gesundheitstage). Hinzu kommen Maßnahmen zur Verhältnisprävention (sie setzt bei den Arbeitsbedingungen im Unternehmen an); dazu gehören Arbeitskreise zur Entwicklung neuer betrieblicher Lösungen, Maßnahmen zur Verbesserung von Betriebsklima und Kommunikation oder Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Darüber hinaus gibt es in vielen Unternehmen kurative und Entspannungs-Angebote (zum Beispiel Stressbewältigung, Ruheräume oder Physiotherapie/Massagen). Einige Arbeitgeber bieten auch Gesundheits-Check-ups, übernehmen Kosten für externe Gesundheitsangebote oder bezuschussen diese.

Zugleich hat das Thema in manchen Instituten bereits eine neue Qualitätsstufe erreicht. Die Zeiten, in denen betriebliche Gesundheitsmaßnahmen belächelt wurden, sind vorbei, Gesundheitsförderung ist zunehmend fester Bestandteil von Unternehmenskulturen. Denn das Gesundheitsbewusstsein ist im Management angekommen; so hat das Ausmaß an Schulungsangeboten für Führungskräfte (Sensibilisierung für Gesundheitsfragen, Führungsverhalten) zuletzt deutlich zugenommen - auch angesichts der Erkenntnis, dass gute Führung einer der Haupttreiber für gute Gesundheit ist.

Diesen Zusammenhang belegen auch Zahlen aus dem privaten Bankgewerbe. So fühlen sich 51 Prozent der Beschäftigten von ihren Vorgesetzten besonders respektvoll behandelt (Bewertung „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“); diese Gruppe beurteilt sowohl ihre psychische als auch ihre körperliche Verfassung erheblich besser als die Gesamtheit der Mitarbeiter und leidet entsprechend seltener unter psychischen Beschwerden, insbesondere Schlafstörungen, Erschöpfung, Stress, Überforderung und depressiven Stimmungen.

Inzwischen zeigt die Mischung aus Gesundheitsleistungen und neuer Führungskultur Wirkung. Der Krankenstand im privaten Bankgewerbe war 2012 erstmals seit Jahren und gegen den Trend rückläufig. Und die Betriebskrankenkassen einiger Institute berichten über stagnierende, teilweise auch leicht sinkende Ausfallzeiten wegen psychischer Störungen. Zwar lässt sich der Zusammenhang zwischen Gesundheitsförderung und sinkendem Krankenstand nicht in Zahlen belegen. Doch es fällt auf, dass insbesondere die in jüngster Zeit verstärkten Anstrengungen, Stress zu vermeiden oder besser damit umzugehen, offenbar nicht wirkungslos bleiben - zum Nutzen von Beschäftigten und Arbeitgebern.

Grafiken Gesundheitsstatistik Kreditgewerbe und privates Bankgewerbe

Grafiken Gesundheitsleistungen im privaten Bankgewerbe

Grafiken Erreichbarkeit von Beschäftigten (Gesamtwirtschaft und privates Bankgewerbe)

„Erfolgsfaktor Gesundheit”
Artikel über Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung als Werttreiber für Banken
Autor: Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer AGV Banken; veröffentlicht im Buch „Wechsel auf die Zukunft“, Bank-Verlag, Hrsg.: Birgit Kießler/Rainer Dahms/Carsten Rogge-Strang, September 2013

Eine Branche hält sich fit
Artikel zur Gesundheitssituation im privaten Bankgewerbe
Autor: Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer AGV Banken; veröffentlicht in „Die Bank“ 2/2012

Gesundheitsreport 2010
(Sonderteil aus Jahresbericht 2009/2010 des AGV Banken)

„Hilfe in allen Lebenslagen”
Artikel über externe Mitarbeiterberatung (Employee Assistance Programme, EAP)
Autorin: Eli Hamacher, Journalistin; veröffentlicht in „Die Bank“ 9/2013

Gemeinsame Erklärung der Tarifparteien im privaten Bankgewerbe zum betrieblichen Gesundheitsschutz